



Diese Wort kommt aus dem italienischen. Es bedeutet Anfang oder Beginn.

Ein neues Notizbuch aufschlagen und mit der Hand über die weiße Seite streichen. Sie mag die Anfänge. Nicht zu wissen, was dort einst stehen wird. Wie ein leichtes Kribbeln. Ein Versprechen. Eine Zukunftslust. Das Gefühl, neu zu beginnen.
Natürlich weiß sie darum, dass sie nie ganz neu beginnt. Dass sie alles mitträgt, was sie zu der macht, die sie heute ist. Doch es gibt sie, die vielen kleinen Anfänge. Hesse hatte recht, als er schrieb, darin liege ein Zauber. Inizio, sagen die Menschen in Italien. Wenn sie das leise spricht, fühlt sie die verheißungsvolle Spannung. Sie blickt aus dem Fenster. Das neue Jahr liegt vor ihr. Es ist ein stiller Beginn. Schnee macht die Welt leiser. Sie freut sich auf die Wege, die vor ihr liegen. Den Zauber des Neubeginns nimmt sie mit hinaus, als sie später Spuren in den Schnee setzt. Die Luft ist klar und frisch und irgendwo zwischen Atem und Schritt beginnt bereits das Neue.

Ich hoffe, ihr seid alle gut ins neue Jahr gekommen.
Von Herzen wünsche ich euch allen ein wunderbares neues Jahr! Seid gut zu euch und zueinander, packt Zuversicht und Mut ein und streut etwas Zauber an das, was ihr macht und was euch umgibt.
Gerne stelle ich euch nun mein Blog-Jahresprojekt 2026 vor, das aus zwei Kategorien besteht:
Kategorie 1 – Wortgewebe
Einmal wöchentlich teile ich ein Wort aus einem anderen Land, das eine besondere Bedeutung trägt und mich und hoffentlich auch euch anspricht. Dieses Wort webe ich in ein Gedicht oder eine kurze Geschichte ein und versehe den Text mit einem passenden Foto.
Kategorie 2 – Lächelspuren
Ebenfalls einmal wöchentlich gestalte ich im öffentlichen Raum ein lachendes Gesicht -gelegt aus Materialien wie Blättern, Zweigen, Steinen oder mit Kreide gemalt. Ich hoffe, dass diese lachenden Gesichter gesehen werden, eine kleine Freude bereiten und für ein wenig mehr gute Laune in dieser Welt sorgen. Diese Gesichter fotografiere ich und werde ich hier im Blog teilen.
Ich freue mich sehr auf dieses neue Jahresprojekt und bin dankbar, euch weiterhin als Leserinnen und Leser an meiner Seite zu haben.
Herzliche Neujahrsgrüße
eure Marion

Das Jahr ist nur noch wenige Stunden alt, und damit schließt mein diesjähriges Jahresprojekt.
Dieses Jahr gab es hier zwei Kategorien, auf die ich gerne zurückblicke.
Kategorie 1 war „Findesatz und Wortspiel“. Es hat viel Freude gemacht, erneut Sätze zu sammeln, die ich in meiner Umgebung hörte und sie dann in ein Gedicht oder eine Kurzgeschichte einzubinden. Ich finde immer wieder, dass es sehr viele Satz-Schätze gibt, die wir im Alltag hören, egal ob auf der Straße, am Küchentisch, in einem Café oder im Zug. Die Sätze in einen Text einzuweben, war eine einladende Motivation für mich, regelmäßig Gedichte oder Geschichten zu schreiben.
In der Kategorie 2 „Verstecktes Wort“ habe ich Wörter – immer mit dem nächsten Buchstaben des Alphabets beginnend – aufgeschrieben und an öffentlichen Orten platziert, in der Hoffnung, dass sie gefunden werden. Manchmal bekam ich mit – nachdem ich sie versteckte, weiterging und mich noch einmal umdrehte -, dass sie gefunden wurden. Das waren schöne Momente. Es sind Bilder, die ich innerlich aufgehoben habe, z.B. wie ein Mann das Röllchen fand, öffnete und seine Freunde rief, die dann alle über das Wort gebeugt standen. Oder eine Frau, die das Röllchen fand und sich lachend umdrehte. Ein Kind, dass sichtlich erfreut das Röllchen entdeckte, und wie seine Eltern mit ihm den Zettel lasen.
Manches Mal sah ich, wie Menschen vorbei gingen, ohne das Röllchen zu bemerken. Bestimmt übersehe auch ich vieles, was im Alltag vor unseren Augen liegt.
Einige Male kam ich an den Ort zurück, an den ich das Wort versteckte und sah, dass es nicht mehr dort war. Spannend, welche Reise auch immer die Worte gegangen sind.
Und dann gab es die Finderinnen und Finder, die sich zurückmeldeten. Manche schrieben, an welcher Stelle sie das Wort in ihrer Wohnung platzierten oder dass das Wort genau zur richtigen Zeit kam. Ihr ahnt es, meine Freude darüber ist groß.
Ich erlebe den Blog immer noch als einen Ort, an dem ich gerne kreativ bin. Es ist schön, euch lesend dabei zu wissen.
Von Herzen danke ich euch allen, die ihr hier mitlest, Gedanken und Antworten in den Kommentaren teilt, meinen Beiträgen ein „Like“ schenkt oder still dabei seid. Ein Blog lebt auch von den Menschen, die ihn mitlesen. Insofern gäbe es ohne euch diesen Blog sicherlich nicht mehr in dieser Form.
Und dir, lieber J., an dieser Stelle auch ein Danke, denn manches Mal musstest du warten, wenn wir irgendwo gemeinsam unterwegs waren, bis ich einen passenden Ort fand, das Wort versteckte und ein Foto machte. Deine Geduld in diesen Momenten ist ein Geschenk, das ich sehr schätze.
Dieses Jahresprojekt geht also nun zu Ende. Doch der Weg geht weiter. Im kommenden Jahr beginne ich mit einem neuen Jahresprojekt. Wie… das erzähle ich euch morgen.
Habt einen guten Silvesterabend, egal ob ruhig oder turbulent, am besten so wie ihr mögt, kommt gut ins neue Jahr und packen wir alle eine gute Ladung Zuversicht und Gestaltungslust ein.
Liebe Grüße
eure Marion




Er schlenderte durch die Stadt. An einigen Schaufenstern blieb er stehen. Nicht um etwas zu kaufen. Zu betrachten, was hinter den Scheiben lag, gefiel ihm. Es lag Nebel in den Gassen. Menschen in farbenfrohen Mützen, Schals und Handschuhen machten die Straßen bunt. Die weihnachtliche Beleuchtung stimmte ihn friedlich. Eine Buchhandlung zog ihn an. Hier konnte er stundenlang verweilen. Als er später wieder hinausging, war ihm, als sei die Luft klarer als zuvor. Sprüche an Schaufenstern ließen ihn anhalten. Er lächelte den Sätzen zu. Beim Weitergehen schaute er in die Augen eines angeleinten Hundes. Für einen Moment dachte er an all die Tiere, die er in sein Leben ließ und es war, als wirkten sie alle nach. Zwei junge Menschen überholten ihn. Er nahm ihre Gesprächsfetzen auf. „Modern ist ein altes Wort“, sagte einer der beiden, „es ist modern und gleichzeitig alt.“ Schon waren sie entfernter. Geschenkte Sätze. Geschenkte Gedanken. Losgelöst vom Geschehen. Er mochte diese Zufallssätze die an seine Ohren drang. Er sammelte sie innerlich. Ganz ohne Einkaufstasche. Ganz ohne schwere Pakete. Ganz ohne Umtauschwunsch. Unbezahlbar gut.




Ganz ganz neugierig
auf das Leben
Auf das was sich zeigt
Auf das was im Nebel liegt
Auf die Bäume, das Wasser, den Wind
Auf Haustüren, durch die ich noch nie ging
Auf die vertraute Kastanie im Garten und wie sie mit uns alt wird
Auf Pläne und wie das Leben sie wandeln wird
Auf mein Protest und meine Zustimmung
Auf die Wildgänse, wenn sie wiederkehren




Guck mal, Eisblumen
Überraschungen aufheben
Gewohntes mit Goldfäden durchweben
Zurückfühlen wie es war
der erste bewusste Winter
die erste zugefrorene Pfütze
der erste Schnee auf der Haut
Mit all den Jahren in uns
Staunen wie beim ersten Mal